Agrarmarkt aktuell: Raps erholt sich kräftig, Mais weiter unter Druck
Die europäischen Agrarmärkte zeigen zum Wochenschluss ein uneinheitliches Bild. Während sich Rapssaat nach den kräftigen Kursverlusten der vergangenen Tage deutlich erholt, setzt Mais seine Abwärtsbewegung fort. Weizen kann sich nach dem massiven Einbruch vom Mittwoch zumindest leicht stabilisieren. Gleichzeitig sorgen umfangreiche chinesische Sojabohnenkäufe und deutlich steigende Rohölpreise für neue Impulse an den internationalen Rohstoffmärkten. Euronext / Matif: Schlusskurse vom 22. Oktober 2026 Produkt Termin Schlusskurs Veränderung Weizen Dezember 2026 234,25 €/t +1,50 €/t Weizen März 2027 234,50 €/t +2,00 €/t Mais November 2026 285,00 €/t −6,25 €/t Mais März 2027 265,25 €/t −3,25 €/t Raps November 2026 497,75 €/t +12,00 €/t Raps Februar 2027 547,25 €/t +7,00 €/t Raps Mai 2027 550,00 €/t +6,25 €/t Quelle: Euronext/Matif, Settlementkurse vom 22. Oktober 2026. Raps: Kräftige Erholung nach deutlichen Verlusten Der europäische Rapssaatmarkt zeigt eine deutliche Gegenbewegung. Der November-Kontrakt gewinnt 12 €/t und schließt bei 497,75 €/t. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der späteren Fälligkeiten: Februar-Raps steigt um 7 €/t auf 547,25 €/t, während Mai-Raps um 6,25 €/t auf 550 €/t zulegt. Damit erfasst die Erholung nicht nur den auslaufenden November-Kontrakt, sondern auch die für spätere Lieferungen wichtigen Termine. Fundamental bleibt die Europäische Union auf erhebliche Rapssaatimporte angewiesen. Die bisherige EU-Prognose für das Wirtschaftsjahr 2026/27 sieht eine Produktion von rund 19,4 Mio. t und einen Drittlandsimportbedarf von etwa 6,4 Mio. t vor. Zusätzliche Aufmerksamkeit verdient die Entwicklung der internationalen Pflanzenölmärkte. Der kräftige Anstieg der Rohölpreise kann die Nachfrage nach pflanzlichen Ölen für die Biokraftstoffproduktion unterstützen. Ob sich daraus eine nachhaltige Erholung der Rapssaatpreise entwickelt, hängt jedoch insbesondere von den Verarbeitungsmargen der Ölmühlen und den internationalen Importprämien ab. Mais: Europäische Futures setzen ihre Korrektur fort Am europäischen Maismarkt hält der Verkaufsdruck an. Der November-Kontrakt verliert weitere 6,25 €/t und schließt bei 285 €/t. Noch am 14. Oktober hatte der Future bei 303 €/t notiert. Innerhalb weniger Handelstage ergibt sich damit ein Rückgang um 18 €/t. Auch die späteren Liefertermine geben nach. März-Mais fällt um 3,25 €/t auf 265,25 €/t. Die Preisentwicklung wird weiterhin von der komfortablen amerikanischen Maisversorgung beeinflusst. Die aktuelle US-Produktionsprognose liegt bei rund 407 Mio. t. Gleichzeitig wird die amerikanische Exportnachfrage durch die niedrigeren internationalen Preise unterstützt. Europa bleibt nach einer deutlich kleineren eigenen Maisernte hingegen auf erhebliche Drittlandsimporte angewiesen. Bis zum 18. Oktober hatte die EU bereits rund 6,64 Mio. t Mais eingeführt. Das entspricht einem Anstieg um ungefähr 40 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die USA haben sich dabei zum wichtigsten Maislieferanten Europas entwickelt. Für den europäischen Handel bleibt somit die vollständige Importkalkulation entscheidend. Neben dem amerikanischen Futurespreis müssen Exportprämien, Seefracht, Binnenfracht und Wechselkurs berücksichtigt werden. Weizen: Erste Stabilisierung nach dem Kurseinbruch Nach dem kräftigen Preisrückgang vom Mittwoch kann sich der europäische Weizenmarkt leicht erholen. Der Dezember-Kontrakt gewinnt 1,50 €/t und schließt bei 234,25 €/t. Die Erholung reicht jedoch noch nicht aus, um das kurzfristig angeschlagene technische Bild wesentlich zu verbessern. Die bisher wichtige Unterstützungszone zwischen 238 und 241 €/t wurde zuvor deutlich unterschritten. Dieser Bereich könnte bei einer weiteren Erholung zunächst als Widerstand wirken. Fundamental bleibt die europäische Weizenversorgung durch eine kleinere Ernte geprägt. Die bisherige EU-Produktionsprognose liegt bei rund 124 Mio. t Weichweizen. Gleichzeitig entwickeln sich die internationalen Weizenmärkte schwach. Die jüngsten amerikanischen Exportverkäufe blieben mit rund 240.000 t deutlich hinter den Erwartungen zurück. Neben Angebot und Nachfrage beeinflussen weiterhin die Exportmöglichkeiten aus dem Schwarzmeerraum und die Erwartungen an die geopolitische Entwicklung die Preisbildung. Sojabohnen: Chinesische Nachfrage stützt die Preise Eine der wichtigsten internationalen Meldungen kommt aus dem amerikanischen Sojamarkt. Die neu veröffentlichten Exportzahlen zeigen Sojabohnenverkäufe von insgesamt 2,84 Mio. t innerhalb einer Woche. Davon entfallen rund 2,18 Mio. t auf China. Damit haben sich die amerikanischen Exportverkäufe gegenüber der Vorwoche nahezu verfünffacht. Die kräftige Nachfrage unterstützt die Sojabohnenfutures. Der November-Kontrakt in Chicago steigt um 7,75 ct/bu auf 1.253 ct/bu. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, ob die hohen chinesischen Käufe anhalten und wie sich die Aussichten für die südamerikanische Sojabohnenernte entwickeln. Sojaschrot: Rückläufige Kurse verbessern die Beschaffungsperspektive Anders als Sojabohnen entwickelt sich Sojaschrot weiterhin schwächer. Der Dezember-Kontrakt in Chicago fällt auf 347,30 US-Dollar je Short Ton. Umgerechnet entspricht dies rund 342 €/t auf reiner Futuresbasis. Für Futtermittelhersteller und Verarbeiter können sich daraus neue Beschaffungsmöglichkeiten ergeben. Allerdings hängen die tatsächlichen europäischen Einkaufspreise weiterhin von den physischen Prämien, den internationalen Frachten und dem Wechselkurs ab. Energie und Logistik bleiben bedeutende Kostenfaktoren Die internationalen Energiepreise ziehen zum Wochenschluss erneut kräftig an. Brent-Rohöl steigt um rund 4 % auf 113,17 US-Dollar je Barrel. Die geopolitischen Risiken im Nahen Osten bleiben ein wesentlicher Einflussfaktor. Für Landwirtschaft und Agrarhandel erhöht das die Unsicherheit bei Diesel- und Transportkosten. Der jüngste bundesweite Diesel-Wochendurchschnitt liegt bei 2,255 €/Liter. Gleichzeitig bleiben die internationalen Seefrachtmärkte uneinheitlich. Der für größere Getreidetransporte wichtige Panamax-Index fällt auf 2.151 Punkte. Auch die niedrigen Rheinwasserstände können die Weiterbeförderung von Getreide und Ölsaaten verteuern. Der Euro notierte am Donnerstag bei 1,1205 US-Dollar und gab damit gegenüber dem Vortag leicht nach. Marktausblick: Was jetzt für Landwirtschaft, Handel und Verarbeiter wichtig ist Die jüngsten Kursbewegungen verdeutlichen, dass die einzelnen Agrarrohstoffe derzeit sehr unterschiedlich auf fundamentale und internationale Entwicklungen reagieren. Rapssaat: Die kräftige Erholung der späteren Futuresfälligkeiten eröffnet neue Möglichkeiten zur Überprüfung von Vermarktungs- und Absicherungsstrategien. Eine nachhaltige Trendwende ist damit allerdings noch nicht bestätigt. Mais: Die anhaltende Korrektur verbessert grundsätzlich die Beschaffungsperspektive. Die erheblichen Unterschiede zwischen den Lieferterminen und die physischen Prämien müssen jedoch berücksichtigt werden. Weizen: Nach dem deutlichen Kursrückgang bleibt die kurzfristige Marktlage schwach. Entscheidend wird sein, ob sich die europäische Notierung oberhalb des jüngsten Tiefs stabilisieren kann. Sojabohnen und Sojaschrot: Die kräftige chinesische Sojabohnennachfrage unterstützt die Bohnenpreise, während Sojaschrot weiterhin vergleichsweise schwach notiert. Daraus ergeben sich unterschiedliche Chancen für Vermarktung und Beschaffung. Fazit: Terminstruktur und tatsächliche Warenkosten bleiben entscheidend Die Agrarmärkte zeigen zum Wochenschluss erneut, wie wichtig eine differenzierte Marktbetrachtung ist. Während Rapssaat kräftig zulegt, verliert Mais weiter an Wert. Weizen stabilisiert sich nach einem massiven Rückgang und Sojabohnen profitieren von einer außergewöhnlich starken chinesischen Nachfrage. Für Landwirtschaft, Handel und Verarbeiter ergeben sich daraus neue Chancen und Risiken. Entscheidend bleibt nicht allein der Börsenkurs, sondern der tatsächlich erzielbare beziehungsweise zu zahlende Warenpreis
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